Wanderung durch das Haus Europa

Mit Arbeiten von

Renate Christin

WANDERUNG DURCH DAS HAUS EUROPA
mit Arbeiten von Renate Christin und Künstler/innen der Gruppe „SaFiR“
Vernissage am Mittwoch, 3. Oktober 2018 um 15 Uhr
Einführung: Dr. Doris Gerstl und Prof. Dr. Markus Bresinsky
Musik: Edgar Feichtner, DrahDeWadl und Trio Trikolore
Ausstellung vom 03.10. - 21.10. 2018
Samstags und sonntags von 14 - 17 Uhr geöffnet
Ort: Alte Mühle Eichhofen


Die diesjährige Ausstellung der mühlen.kunst zeigt Werke aus dem Projekt „Gemeinsames Haus Europa“.
Renate Christin und die teilnehmenden Künstler/innen der Gruppe „SaFiR“ nähern sich dem Thema Europa mit unterschiedlichen Sichtweisen und Techniken. In der Alte Mühle, Schloss, Gasthof und Brauerei Eichhofen wird der europäische Gedanke in vielen Exponaten wieder- und neu entdeckt.


Ein Symposium mit den beiden rumänischen Künstlern Gina Hora und Sorin Vreme im Mühlengebäude des Schlosses Eichhofen wurde für Renate Christin zum Ausgangspunkt für das Projekt GEMEINSAMES HAUS EUROPA. Um ihre Freundschaft zu demonstrieren, haben die Künstler/innen seinerzeit ein dreiteiliges Gemeinschaftsbild gemalt. Dabei ist – so ganz zufällig, ein Strichhäuschen entstanden, eines mit Kreuz in der Mitte, um das herum die Außenmauern des Häuschens laufen. Gerade so, wie man das als Kind, oder aber auch als erwachsener Mensch so in Gedanken, mit dem Stift auf irgendeinem Stück Papier oder an den Zeitungsrand kritzelt. Man stoppt dabei den einmal angefangenen Strich erst nach „Fertigstellung“ des gesamten Häuschens. Das war 1991. Seitdem hat Renate Christin dieses Häuschen nicht mehr losgelassen und ist für sie ein Symbol für Hoffnung auf ein grenzenloses Europa geworden.

Gerade in letzter Zeit muss man einigen Optimismus mitbringen, um den Glauben an ein GEMEINSAMES HAUS EUROPA nicht zu verlieren. Der Untertitel mit der Frage „Wunschtraum oder Realität?“, der bereits zu Beginn des Projekts die Sorge um Europa umschrieb, wird wohl durch die Zeit beantwortet werden.


Renate Christin ist mit ihren Ausstellungen, Symposien und Kursen in ganz Europa herumgekommen.
Ihr zu Hause hat sie im Labertal, in der Nähe von Eichhofen. Der Landkreis Regensburg würdigte mit dem Kulturpreis 2018 das umfassende Lebenswerk dieser besonderen Künstlerin, die 26 Jahre lang Leiterin des Internationalen Kunstforums Eichhofen gewesen ist.

 

Einführung von Prof. Dr. Markus Bresinsky

Am Tag der Deutschen Einheit über das gemeinsame Haus Europa und dessen Entwicklung sprechen zu dürfen, ist großartig! Und weil das Thema so großartig ist, möchte ich mit etwas Kleinen beginnen, mit einem Blick aus dem Fenster.

Aus diesen Fenstern sieht man die Burgruine Loch auf einem heute herrenlosen Grundstück. Um 1300 gab es hier eine stolze Burgherrschaft und die Burg hatte ein wichtige Schutz- und Repräsentationsfunktion. Menschen arbeiteten hier, gründeten Familien, schufen Werte und Werke. Und sie gehörten und gehorchten einem Herren.

Wenn das Rauschen der Laaber allen modernen Lärm übertönt, kann man sich das Hufgetrappel vorstellen, den Lärm von Schmiedehämmern und das rumpeln von Wagenrädern. Und wenn man genau hinhört, das fröhliche Anstoßen von Bierkrügen im Dorfwirtshaus.

Wirtschaftliche und politische Veränderungen haben diesen Ort in den letzten 700 Jahren grundlegenden verändert. Burgen brauchen wir nicht mehr und wir müssen uns nicht mehr mit dem Wappen des Burgherrn ausweisen.

Auf unseren Nummernschildern und Personalausweisen prangt heute das Zeichen der Europäischen Union. Wir reisen in die Welt ohne Mühe und haben einen höheren Lebensstandard, mehr Besitz sowie eine höhere Lebenserwartung als vor 700 Jahren.

Europa hat in den letzten 700 Jahren eine wechselvolle geschichtliche Entwicklung genommen und dabei eindrucksvolle wie schreckliche Landmarken hinterlassen.

Neben vielen anderen wichtigen Wegmarken war für die Entwicklung Europas die Durchsetzung der normativen Idee von 1776 und 1779 von besonderer Bedeutung: Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung und die Französische Revolution. Freiheit, Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Demokratie und soziale Verantwortung. Damit wurde ein Fundament Europas gelegt, aus dem über einige Umwege und Rückschläge ein gemeinsames Haus entstehen sollte.

Es gab gewaltige und gewalttätige Attacken gegen dieses Projekt. Europäische Reaktion, Faschismus, Kommunismus, Weltkriege, Genozid und Schoah. Doch immer wieder setzte sich die normative Idee eines demokratischen, freiheitlichen und gemeinsamen Europas durch. Diese Idee besaß letztendlich stets die größte Kraft für Frieden und Wohlstand.

1990 glaubten wir, den letzten Angriff auf das Projekt Europas abgewehrt zu haben. Mit dem Fall der Mauer schien die letzte Festung verschwunden zu sein.

28 Jahre später müssen wir erkennen, dass sich mit der Globalisierung und der gesellschaftlichen Transformation vor allem die freiheitlichen Wirtschaftskräfte durchgesetzt haben und weniger die normativen demokratischen Ideen. Die Folge: Illiberale Demokratien entstehen, Populismus und Nationalismus schürt Ängste und macht Stimmung gegen das normative Projekt und das Haus Europa.

Freiheit, Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Demokratie und soziale Verantwortung. Diese Hausordnung erhalten wir nur, wenn wir uns mehr miteinander als gegeneinander auseinandersetzten.

Wir brauchen keine Burgen mehr! Wir brauchen kein Zurück in die Zeiten von Wappen und Mauern. Was wir brauchen ist eine Gemeinschaft, wie ein Dorf mit Häusern, in dem Nachbarschaft und Gastfreundschaft wichtiger ist als Streit und Ablehnung.

Mit einem Bild möchte ich schließen. Für diese Gemeinschaft ist nicht die Burg, sondern der Stammtisch im Dorfwirtshaus das wohl passendere Bild. Dort wird diskutiert und gestritten, aber nicht gerauft. Dort gibt es Respekt und Toleranz, trotz aller Unterschiede.

//Und wenn Sie genau lauschen, dann ist er zu hören. Der Klang anstoßender Bierkrüge auf die Gemeinschaft.

Ich wünsche Ihnen viel spannende Eindrücke von Europa!